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1561 Hauspfahl

1561 Hauspfahl
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Art.Nr.: 1561

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Beschreibung

Zentrum des gesellschaftlichen, politischen, geistigen und kultischen Lebens ist das Männerhaus, nicht selten über hundert Meter messend. In diesen Männerhäusern befinden sich in langer Reihe nebeneinander die Herd- oder Feuerstellen der hier jeweils vertretenen Klans, ausgewiesen durch je einen großen, figürlich beschnitzten Ahnenpfahl. Dieser kann integrales Konstruktionsteil der von vier Pfosten eingerahmten Feuerstelle sein; dann ist einer der beiden zum Mittelgang des Gebäudes hin orientierten Pfosten entsprechend gestaltet. Andernfalls ist der Ahnenpfahl als separat gearbeitetes Schnitzwerk an einen jener Pfosten aufrecht angebunden.
Im Männerhaus kommentiert man Tagesereignisse, diskutiert wichtige Gemeinschaftsunternehmen, fällt politische Entscheidungen, empfängt auswärtige Besucher, bereitet Feste vor. Mädchen und Frauen haben nur ausnahmsweise Zutritt, etwa um ihren männlichen Angehörigen Speisen zu bringen oder bei gewissen zeremoniellen Anlässen.
Hier bezeichnen die Feuerstellen, Angelpunkte gewissermaßen der geordneten menschlichen Existenz, Ursprung und Präsenz der einzelnen Clans, deren Ahnen - erinnert in grandiosen Schnitzwerken und im kultischen Handeln der Männerhausgemeinschaft - durch ihr vergangenes Tun und Geschick in der lebendigen Gegenwart fortwirken. Hier spiegelt sich in Ausstattung und Benennung des umfriedeten Raumes die in Urzeiten von den Ahnen gesetzte Ordnung der Welt als Gedächtnis und Mahnung zugleich für die Lebenden. Das Männerhaus ist im eigentlichen Sinne Kulthaus, Ausdruck einer Weltsicht, der die uns eigene Trennung von profanen und religiösen Lebensbereichen fremd ist. Damit ist es zugleich der Ort der Belehrung für die hier heranwachsenden Jungen, die das Wie und das Warum von den erwachsenen Männern erlernen, um dann eines Tages mit einer feierlichen Initiation in die Kultgemeinschaft aufgenommen zu werden.
Die im Männerhaus allgegenwärtige Bezogenheit der Asmat auf die Welt ihrer Ahnen erklärt sich unschwer aus der außerordentlich großen Bedeutung, die sie ihrer Abstammung beimessen. Die Angehörigen eines Clans führen ihre Herkunft in väterlicher Linie auf einen gemeinsamen Stammvater und dessen Frau zurück, ohne freilich in der entfernteren Vergangenheit die exakte genealogische Verbindung zu jenem Ahnenpaar herstellen zu können, das insofern also “mythisch” bleibt. Dennoch gelten die Angehörigen eines Clans, ob nun tatsächlich Blutsverwandte oder nicht, als so eng miteinander verwandt, dass sie ein für alle verbindliches Regelwerk eint. Die für die verschiedenen Verwandtschaftsgruppen jeweils charakteristischen Regelwerke sind verankert in der von den Ahnen in mythischer Urzeit gesetzten Weltordnung. Sie sind stets verknüpft mit Rechten und Pflichten und einem entsprechenden Verhaltenskodex. Hieraus folgen in praktisch alle Lebensbereiche hineinwirkende Regelungen des Gemeinwesens, legitimiert und verbindlich durch den Willen der mythischen Ahnen, wie etwa die mit Inzesttabus bewehrte Heiratsordnung, die bei der Eheschließung fällige Kompensationsleistung (“Brautpreis”) für die Verwandtschaftsgruppe(n) der Braut, Land- und Wassernutzungsrechte, Blutracheverpflichtungen, Kooperationsgebote und Meidungsvorschriften, um nur einige zu nennen.
In den achtziger Jahren führten die Asmat das Verfahren der Schlammbeize ein, durch das die Oberfläche tiefbraun oder schwarz erscheint. Dazu werden die Schnitzwerke vor der endgültigen Vollendung für einige Tage - je nach dem gewünschten Grad der Färbung - in Schlamm gelegt. Nach dieser Prozedur beleben die Künstler die Skulpturen durch eingeritzte Skarifikationen, Körperteile oder Motive, die in der natürlichen hellbraunen Farbe des Holzes erscheinen, oder wie bei dieser Skulptur werden die Motive mit weißem Muschelkalk betont.

 

Details

Künstler: Barnabas Yopos
Material: Mangrovenholz
Bemalung: roter Ocker, Ruß, weiß / gebrannter Muschelkalk
Höhe / Länge: 312 cm
Breite: 35 cm
Tiefe: 41 cm
Sammler: Konrad, 1993
Region: Becembub
Dorf: Atsj (Yasui)
   
   
   

 

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